"Das Mädchen, das den Weihnachtsmann umbrachte" ist eine Anthologie mit zwölf Kriminalgeschichten von Val McDermid, die sich teilweise um Weihnachten drehen. Den Auftakt dabei macht "Schöne Bescherung¿, eine kurzweilige Tony Hill-Geschichte, in der ein Mörder an Feiertagen zuschlägt. "Wen es trifft¿, die zweite Geschichte, handelt von einer Frau, die aus Hoffnungslosigkeit Lebensmittel im Supermarkt vergiftet, wobei sich hier Passagen aus der Perspektive der Ermittlerin Maggie Staniforth mit Passagen aus Täterperspektive abwechseln (letztere sind besonders eindrücklich). Die dritte Kriminalgeschichte, "Weihnachten nach alter Väter Sitte¿, handelt von einer Familientragödie, die in ein atmosphärisch beschriebenes, feierliches Weihnachtsfest eingebettet ist: Nachdem Edmund, Stammhalter der Amberleys, angekündigt hat, den Stammsitz zu verpachten, wird er am nächsten Tag tot aufgefunden. Die Auflösung des Falls ist überraschend und tragisch. Ein Highlight der Anthologie ist für mich "Lange schwarze Schleier¿, eine Geschichte mit Coming of Age-Elementen, in der schrittweise, mit mehreren Wendungen und sehr überraschend, ein Familiengeheimnis offenbart wird. Wieder eher weihnachtlich geht es in der kurzen, titelgebenden Geschichte "Das Mädchen, das den Weihnachtsmann umbrachte¿ zu: Aus der Perspektive der achtjährigen Kelly Jane Davidson wird hier der Abend vor Weihnachten erzählt, in der Kelly den Weihnachtsmann trifft - den sie fälschlicherweise für einen Einbrecher hält Insgesamt eine nette, heimelige Weihnachtserzählung. Die folgende Geschichte, "Weihnachten mit Holmes¿, hat mich eher enttäuscht zurückgelassen: Wir treffen hier Holmes und Watson, die den Auftrag bekommen, den unbekannten schottischen Thronfolger zu identifizieren. Trotz des Titels spielt weihnachtliche Atmosphäre eher eine untergeordnete Rolle, Ermittlungen mit Holmes-typischen Deduktionen finden kaum statt und die Lösung wirkte auf mich zu konstruiert. Weiter geht es mit "Archaisch und modern¿: Die Geschichte handelt von einer grenzenlosen Liebe und ist sehr durchdacht aufgebaut, sodass sich die wahre Tragweite der Handlung erst im Nachhinein offenbart. In der nachfolgenden Geschichte "Der Schluck des Teufels¿ weckt das Auffinden eines Fasses Whiskey auf der Insel Jura ein Jahrzehnte altes Geheimnis, das mit George Orwell zu tun hat - ebenfalls eine schön aufgebaute Geschichte. "Ghostwriter¿, eine Geistergeschichte, entführt uns in die Welt der Schriftsteller*innen: Sie handelt von Gavin, der Schreiben kann, allerdings Probleme damit hat, Handlungen zu konstruieren. Bei einem Kurs für Kreatives Schreiben trifft er auf Natascha, die das entgegengesetzte Problem hat: Sie kann perfekte Handlungsgerüste erstellen, kriegt diese aber nicht glaubhaft zu Papier. Die beiden werden ein Paar, der Erfolg setzt ein, endet aber jäh... Sehr gefallen hat mir, dass die Geschichte einen originellen, überraschenden Verlauf nimmt. Die Liebe spielt auch in "Weiße Nächte, schwarze Magie¿ eine Rolle: Im Mittelpunkt stehte eine tragische Liebesgeschichte zwischen zwei Frauen, die durch seelischen Missbrauch einer dritten Person, Krankheit und räumliche Entfernung geprägt ist. Die kurze Erzählung "Brennende Herzen¿ wiederum handelt von einer geschassten Ehefrau, die zur Bonfire Night auf drastische Weise Rache an ihrem Ehemann nimmt. Die Anthologie schließt mit "Vier zwitschernde Amseln¿, das aus unterschiedlichen Perspektiven einen Raubüberfall auf eine Spielhalle behandelt. Die in "Das Mädchen, das den Weihnachtsmann umbrachte¿ versammelten Geschichten sind sehr abwechslungsreich und flüssig zu lesen. Wie es in Anthologien häufiger der Fall ist, gibt es mehrere Perlen, andere Geschichten hingegen sind weniger stark. Weihnachten spielt - anders als das Cover, der Titel und die ersten Geschichten suggerieren - keine übermäßig große Rolle (tatsächlich spielen nur 4 der 12 Geschichten zu Weihnachten). Trotzdem eignet sich die Lektüre für kurzweilige Stunden unterm Tannenbaum - wenn mal nicht das Feierliche, sondern das Kriminelle im Mittelpunkt stehen soll.