Mutter-Tochter-Roman der mir in seiner ruhigen Art sehr gut gefallen hat. Was wünscht man sich für die Kinder, aber auch für sich
In Schleswig-Holstein auf einer Halbinsel lebt die früh verwitwete Annett, Ende vierzig, die ihre Tochter Linn in die Welt entlassen hat, die diese euphorisch und im Sturm erobert hat. Dann sucht Linn mit 25 aber unvermutet Unterschlupf in ihrem alten Kinderzimmer und die so ehrgeizige Tochter versinkt zunächst in einer fast schwermütigen Teilnahmslosigkeit. Annett ist irritiert bis erschrocken. Langsam beginnt eine neue Annäherung von Mutter und Tochter.Der Roman und seine Figuren haben mich schnell gefesselt. Wie Annett mit dem eigenen Leben umgeht und was sie in ihrer Tochter sieht; was Linn vom Leben erwartet hat, was daraus in den wenigen Jahren geworden ist und wie es weitergehen sollen, das sind Fragen, die die Leserinnen in den Bann ziehen. Wir wünschen unseren Kindern nur das Besten. Wir wünschen uns, dass sie nach Möglichkeit erfolgreich und auch - natürlich - glücklich sind. Wir wünschen uns, dass sie mutiger sind als wir selbst, alle Chancen wahrnehmen, die wir vielleicht versäumt haben. Überforderung und eine sich rasend schnell verändernde Welt bergen jedoch große Unsicherheiten. Unterschiedliche Vorstellungen prallen aufeinander. Mit einer ganz klaren, fast schon reduzierten Sprache begleiten wir die Irritationen von Mutter und Tochter, die sich lieben und doch eine lange Zeit brauchen, um sich und ihre Wünsche zu verstehen. Eine große Leseempfehlung.