Lea scheint das perfekte Leben zu führen: ein liebevoller Ehemann, eine süße Tochter und ein wunderschönes Zuhause in einer abgeschotteten Siedlung in Florida. Als erfolgreiche Influencerin präsentiert sie im Internet ihre heile Welt als Tradwife. Doch ihre Schwester Paula erkennt Lea kaum wieder. Als sie plötzlich nichts mehr von ihr hört, macht sie sich auf den Weg in die USA. Dort muss sie feststellen, dass hinter der makellosen Fassade längst nicht alles so perfekt ist, wie es scheint.
Der Einstieg in Keine Angst, Darling hat mich direkt gepackt. Ich fand es besonders interessant, wie Vera Buck das Thema Tradwives aufgreift und zeigt, wie verführerisch das Versprechen von Sicherheit und einem vermeintlich perfekten Leben sein kann. Doch wann wird Fürsorge zu Kontrolle? Und wie schnell kann aus dem Wunsch nach Geborgenheit eine gefährliche Abhängigkeit werden? Gerade diese Fragen haben mich beim Lesen beschäftigt. Auch die Darstellung von Kontrolle und Unterdrückung fand ich eindringlich, denn Gewalt beginnt nicht erst dort, wo jemand körperlich verletzt wird.
Der Schreibstil ist angenehm zu lesen und die Geschichte hat mich wirklich gut unterhalten. Es entsteht früh das Gefühl, dass hinter der perfekten Fassade etwas nicht stimmt, und ich wollte wissen, was mit Lea passiert ist und welche Geheimnisse noch ans Licht kommen. Die Handlung ist spannend und das Thema erschreckend aktuell.
Im zweiten Teil wurde mir die Geschichte allerdings zunehmend zu unrealistisch. Während ich die zugrunde liegenden Mechanismen von Kontrolle und Abhängigkeit durchaus nachvollziehbar fand, gingen mir manche Entwicklungen zu weit. Besonders das Ende war mir einfach etwas zu drüber. Dadurch hat die Geschichte für mich ein Stück ihrer Glaubwürdigkeit verloren, obwohl sie mich insgesamt gut unterhalten hat.
Mein Fazit: Keine Angst, Darling ist ein spannender Thriller, der ein interessantes und gesellschaftlich relevantes Thema aufgreift. Der packende Einstieg und die Auseinandersetzung mit der scheinbar perfekten Welt der Tradwives haben mir sehr gut gefallen. Auch wenn mir die Handlung gegen Ende zu unrealistisch wurde, hatte ich insgesamt viel Spaß beim Lesen. Ein Thriller, der zum Nachdenken anregt, für meinen Geschmack zum Schluss aber etwas über das Ziel hinausschießt.