Weniger schwarzer Humor, weniger skurrile Mordmomente, dafür mehr Charakterentwicklung. nicht schlecht ¿ aber längst nicht so gut wie Band1
¿Mein Gesamteindruck"Es liegt Schönheit im Schrecken, wenn er in dunklen Seelen zum Leben erwacht." - selten hat ein Zitat die Atmosphäre eines Buches so gut eingefangen wie dieses. Trotzdem blieb Leather & Lark für mich hinter seinem Vorgänger zurück. Ich wollte dieses Buch genauso lieben wie Butcher & Blackbird, doch der Funke sprang leider nie vollständig über.Dabei bringt Brynne Weaver viele spannende Themen mit: Traumata, Schuld, Vergebung, People Pleasing und die Frage, wann Menschen endlich lernen, authentisch zu leben. Genau diese charakterliche Tiefe schätze ich normalerweise sehr. Hier wirkte sie auf mich jedoch nicht ganz stimmig umgesetzt. Gleichzeitig rückten der schwarze Humor, die skurrilen Mordspielchen und die herrlich absurde Leichtigkeit des ersten Bandes deutlich in den Hintergrund.Unterhaltsam war das Buch trotzdem. Es gab einige großartige Szenen, kreative Spice-Momente und Figuren, die mir lange im Gedächtnis bleiben werden. Insgesamt wollte die Geschichte für meinen Geschmack jedoch etwas zu viel gleichzeitig sein - und verlor dabei genau das, was Band 1 für mich so besonders gemacht hat.¿¿Stärkenauthentische Auseinandersetzung mit People Pleasing und Selbstaufgabespannende Themen wie Schuld, Vergebung und Traumatadüstere Atmosphäre mit gelungenem Spannungsaufbauder Endgegner wirkt wirklich unheimlichkreative und gut geschriebene Spice-Szenen ¿¿humorvoller Einstieg und einige herrlich absurde Momenteinteressante Einblicke in Lachlans Vergangenheitabwechslungsreiche Perspektivwechsel inklusive Phantom-Kapitelngelungene Verbindung zum ersten Band¿SchwächenLark blieb mir über weite Strecken unsympathischihre Entwicklung wirkte auf mich nachvollziehbar aber nicht fühlbarGrumpy x Sunshine funktionierte für mich nicht, weil Larks Sunshine eher Fassade als Persönlichkeit istHaters to Lovers wirkte auf mich bei erwachsenen Figuren eher fremdschämend als lustig arrangierte Ehe hätte die Geschichte nicht gebrauchtLachlan wird zu sehr auf seine Rolle als Love Interest reduziertdeutlich weniger schwarzer Humor und Mordspielchen als in Band 1manche Motive der Figuren waren für mich schwer nachvollziehbarder Bösewicht war früh durchschaubar und das Finale etwas überhastetinsgesamt wollte das Buch zu viele Themen gleichzeitig erzählen¿Meine Eindrücke, Gedanken und GefühleWas mich am meisten überrascht hat, war ausgerechnet Lark. Im ersten Band mochte ich sie als schlagfertige, selbstbewusste Freundin von Blackbird unglaublich gern. Hier lernen wir sie plötzlich von einer ganz anderen Seite kennen - und genau diese Version konnte mich im Rahmen einer Dark RomCom nicht abholen.People Pleasing als Kernthema finde ich großartig. Menschen, die ständig funktionieren, helfen und niemals zugeben, dass sie selbst Unterstützung brauchen, sind unglaublich spannende Figuren. Genau deshalb war ich überrascht, hatte ich mich dann auf ihre Entwicklung gefreut. Leider fühlte sie sich für mich verkehrt herum erzählt an. Für mich entsteht echte Veränderung aus Erkenntnis. Hier hatte ich eher das Gefühl, dass erst die Beziehung alles löst und dadurch plötzlich Einsicht entsteht. Das wirkte auf mich wenig glaubwürdig. Ich mag Geschichten lieber, in denen Figuren Verantwortung übernehmen, etwas verstehen und sich deshalb verändern - nicht, weil die Liebe plötzlich alle inneren Baustellen repariert.Dazu kam, dass ich Larks Verhalten gegenüber ihren engsten Freunden schwierig fand. Sie verschweigt wichtige Dinge, trifft Entscheidungen für andere und nimmt ihnen dadurch jede Möglichkeit, selbst zu entscheiden. Dass genau diese Dynamik kaum kritisch hinterfragt wird, hat mich gestört. Gleichzeitig wirkte Blackbird dadurch rückblickend fast wie eine schlechte Freundin. Sie erkennt weder Larks Fassade noch ihr Doppelleben. Das machte für mich sogar ihre Rolle aus Band 1 als geniale Mörderin ein Stück weit unglaubwürdiger.Auch Lachlan tat mir ein wenig leid. Er ist eigentlich ein unglaublich spannender Charakter: Auftragskiller, Vollstrecker, rechte Hand eines Mafioso und gleichzeitig Sattler mit dem Wunsch nach einem anderen Leben. Doch statt ihn wirklich kennenzulernen, blieb er für mich erstaunlich blass. Seine Gefühle für Lark stehen so sehr im Mittelpunkt, dass der Mensch dahinter kaum Raum bekommt. Das fand ich wirklich schade.Die Dynamik der beiden funktionierte für mich ebenfalls nur teilweise. Ich liebe Grumpy x Sunshine. Aber ich liebe echtes Sunshine - nicht jemanden, der Fröhlichkeit wie eine Maske trägt. Dadurch fühlte sich auch Haters to Lovers für mich nie wirklich natürlich an. Die arrangierte Ehe kam als zusätzlicher Trope dazu, ohne dass ich das Gefühl hatte, dass die Geschichte sie wirklich gebraucht hätte.Auch thematisch wollte das Buch sehr viel. Schuld, Vergebung, Selbstwert, Traumata, Familienbindungen, Mafia, Serienkiller, Liebesgeschichte und Charakterentwicklung - jedes einzelne Thema hätte Potenzial für einen eigenen Roman gehabt. Zusammen wurde es für mich etwas zu viel. Besonders der Umgang mit Schuld überzeugte mich nicht. Dass Lachlan sich ständig beweisen muss, statt aus seinen Entscheidungen zu lernen, fand ich deutlich schwächer als andere Bücher, die dieses Thema behandeln.Den Humor vermisste ich ebenfalls. Gerade die herrlich absurden Mordspielchen und die skurrile Leichtigkeit hatten Butcher & Blackbird für mich ausgezeichnet. Hier gab es zwar wunderbare Szenen - besonders das erste Wiedersehen von Lark und Lachlan, die Hühnerwitze waren pures Gold -, doch insgesamt überwog eine deutlich ernstere Stimmung.Der Bösewicht war dagegen gelungen aufgebaut. Seine religiöse Motivation und die Verbindung zum ersten Band gefielen mir sehr, auch wenn ich seine Identität recht früh erraten hatte und das Finale dann etwas schnell abgehandelt wurde.Und trotzdem: Ganz schlecht fand ich das Buch keineswegs. Es gab schöne emotionale Momente, kreative Spice-Szenen, einige wirklich starke Dialoge und immer wieder Szenen, die mich zum Schmunzeln brachten. Es war nur eben nicht das Buch, das ich nach diesem grandiosen ersten Band erwartet hatte.¿Fazit & EmpfehlungLeather & Lark ist eine solide Fortsetzung, die den Fokus deutlich stärker auf Charakterentwicklung und Emotionen legt als auf die herrlich makabre Dark-RomCom, die ich aus Band 1 so geliebt habe. Viele Themen sind spannend gewählt und regen zum Nachdenken an. Leider konnten mich weder Larks Entwicklung noch die Chemie zwischen den beiden Hauptfiguren vollständig überzeugen.Wer mehr emotionale Tiefe, Slow Burn und Charakterarbeit sucht, wird hier wahrscheinlich zufriedener sein als ich. Wer sich dagegen wieder den schwarzen Humor, die skurrilen Mordspielchen und das besondere Chaos aus Butcher & Blackbird erhofft, sollte seine Erwartungen etwas anpassen.Für mich bleibt Butcher & Blackbird klar der stärkere Band - trotzdem freue ich mich darauf, noch einmal in dieses herrlich verrückte Universum zurückzukehren. ¿¿