Die Mischung aus Vampiren, Drachen und düsterer Akademie besitzt viel Potenzial, wirkte auf mich aber stellenweise überladen.
"On Wings of Blood" klang für mich unglaublich spannend. Medra Pendragon gilt als letzte Drachenreiterin, obwohl es schon lange keine Drachen mehr geben soll. Nachdem sie in einem von Vampiren beherrschten Reich landet, wird sie gefangen genommen und an die Bloodwing Academy gebracht. Dort besitzen die adeligen Vampire die gesamte Macht, während Menschen wie Medra lediglich als minderwertige Doemgeborene betrachtet werden.Der Einstieg fiel mir zunächst nicht ganz leicht. Man wird direkt in die neue Welt geworfen und bekommt viele Informationen, Begriffe und Geheimnisse präsentiert. Dadurch fühlte ich mich am Anfang ähnlich orientierungslos wie Medra. Sobald die Handlung an der Akademie ankommt, wird die Geschichte verständlicher und entwickelt eine deutlich stärkere Atmosphäre.Medra mochte ich grundsätzlich gerne. Sie ist mutig, widersetzt sich den Vampiren und lässt sich nicht einfach in die Rolle drängen, die andere für sie vorgesehen haben. Gleichzeitig handelt sie manchmal sehr impulsiv und bringt sich dadurch unnötig in Gefahr. Besonders gefallen haben mir ihre neuen Freundschaften, weil diese etwas Wärme in die ansonsten sehr brutale Welt bringen.Mit Blake hatte ich dagegen meine Schwierigkeiten. Er ist arrogant, mächtig und behandelt Medra immer wieder von oben herab. Die erzwungene Verlobung zwischen den beiden sorgt zwar für Spannung, doch die romantische Entwicklung konnte ich nicht vollkommen nachvollziehen. Mir fehlten ruhigere gemeinsame Momente, in denen sich ihre Gefühle glaubwürdig hätten entwickeln können. Die Anziehung war vorhanden, aber emotional hat mich ihre Verbindung noch nicht erreicht.Das Setting der Bloodwing Academy hat mir gut gefallen. Die verschiedenen Häuser, gefährlichen Unterrichtsstunden und tödlichen Wettbewerbe sorgen für eine düstere Stimmung. Gleichzeitig werden sehr viele Handlungselemente miteinander verbunden. Vampire, Fae, Drachenreiter, magische Geheimnisse, politische Machtkämpfe und Medras unbekannte Vergangenheit konkurrieren um Aufmerksamkeit. Dadurch wirkte die Geschichte manchmal etwas chaotisch.Besonders schade fand ich, dass das Thema Drachen lange eher im Hintergrund bleibt, obwohl es einer der Gründe war, weshalb ich das Buch lesen wollte. Gegen Ende wird dieser Teil allerdings spannender und macht neugierig auf die Fortsetzung.Insgesamt bietet "On Wings of Blood" eine unterhaltsame Mischung aus Dark Academia, Vampirromantik und gefährlichen Prüfungen. Die Atmosphäre und Medras Freundschaften haben mir gefallen, während mir die Handlung stellenweise zu überladen und die Beziehung zu Blake noch zu oberflächlich war. Das Potenzial für die weiteren Bände ist aber auf jeden Fall vorhanden.