The Scorpion and the Night Blossom wollte ich unbedingt lesen, weil ich bereits die vorherige Dilogie der Autorin sehr gerne mochte und auch hier der Klappentext wieder richtig gut klang. Und ganz ehrlich: Die Bücher aus dem Enchanted by arsEdition Verlag sind einfach auch immer wunderschön gestaltet. :)Àn'y¿ng lebt in einer Welt, in der Dämonen, die sogenannten Mó, große Teile des Reichs der Sterblichen unter ihre Kontrolle gebracht haben. Seit einem Angriff vor neun Jahren kämpft sie nicht nur mit den Folgen dieses Krieges, sondern versucht vor allem, ihre schwer verletzte Mutter am Leben zu erhalten. Ihre einzige Hoffnung liegt im sagenumwobenen Tempel der Morgenröte, wo sie an gefährlichen Prüfungen teilnehmen muss, um eine Pille der Unsterblichkeit zu gewinnen. Auf ihrem Weg begegnet sie dabei nicht nur neuen Verbündeten, sondern auch Yù'chén, einem geheimnisvollen jungen Mann, bei dem Àn'y¿ng schnell merkt, dass er mehr verbirgt, als er zunächst zeigt. Zwischen tödlichen Prüfungen, Magie, Dämonen und den Geheimnissen ihrer eigenen Vergangenheit muss Àn'y¿ng immer wieder entscheiden, wem sie vertrauen kann und wie weit sie bereit ist, für ihre Familie zu gehen. Und je tiefer sie in die Welt der Unsterblichen eintaucht, desto mehr beginnt sie zu hinterfragen, ob Gut und Böse wirklich so eindeutig voneinander zu trennen sind, wie sie ihr ganzes Leben geglaubt hat. Als ich angefangen habe zu lesen, war ich direkt wieder begeistert von Amélie Wen Zhaos sehr bildhaftem und ausuferndem Schreibstil. Sie erzählt sehr ausdrucksstark, arbeitet viel mit Beschreibungen und dem Innenleben ihrer Figuren und deutlich weniger über lange Dialoge. Die Dialoge selbst sind oft eher kurz und prägnant und ich hatte immer wieder das Gefühl, dass hinter einzelnen Aussagen noch viel mehr steckt, als tatsächlich ausgesprochen wird.Gleichzeitig kann das Buch dadurch stellenweise auch etwas anstrengend zu lesen sein. Damit meine ich gar nicht die Namen - in die kommt man meiner Meinung nach recht schnell hinein -, sondern wirklich die Art, wie ausführlich vieles beschrieben, umschrieben und noch einmal eingeordnet wird. Die Geschichte nimmt sich sehr viel Zeit für Atmosphäre, Gedanken und Details und erzählt dadurch insgesamt sehr ausschweifend. Für mich hat genau das zwar sehr viel von der besonderen Stimmung des Buches ausgemacht, aber ich musste beim Lesen trotzdem konzentrierter bleiben als bei anderen Fantasyromanen.Was ich dafür absolut geliebt habe, ist die Tiefe, die die Figuren in diesem Buch bekommen. Man muss sich darauf einlassen, weil wir sehr viel Zeit mit ihren Gedanken, ihren Ängsten und ihrer Vergangenheit verbringen, aber wenn man das tut, entstehen Figuren, zu denen ich wirklich schnell eine Verbindung aufbauen konnte. Besonders Àn'y¿ng hat mich sehr schnell abgeholt. Ihr gesamtes Handeln ist so stark von ihrer Familie, von Verlust und von der Frage geprägt, wie weit man eigentlich für die Menschen gehen würde, die man liebt. Gerade diese Themen rund um Ehre, Familie, Liebe und Loyalität ziehen sich für mich sehr schön durch die ganze Geschichte.Dazu kommt natürlich, dass ich Bücher mit Dämonen und Halbdämonen sowieso sehr gerne lese. Und hier mochte ich vor allem die Frage: Kann ich jemanden lieben, obwohl mir mein ganzes Leben beigebracht wurde, dass ich genau diese Person eigentlich fürchten oder sogar hassen müsste? Dieses Spiel mit Vorurteilen, Herkunft und der Frage, was einen Menschen - oder eben ein Monster - wirklich ausmacht, fand ich unglaublich spannend.Auch die Romance hat für mich genau deshalb sehr gut funktioniert, weil sie eben nicht die komplette Geschichte übernimmt. Natürlich gibt es Gefühle, Anziehung und romantische Momente, aber Àn'y¿ngs Geschichte dreht sich nie ausschließlich darum, welchen Mann sie liebt. Ihre Familie, ihre eigenen Ziele und die politischen Konflikte dieser Welt bleiben mindestens genauso wichtig. Und genau das mochte ich sehr.Über den eigentlichen Inhalt kann ich dabei fast gar nicht so viel erzählen, ohne irgendwann zu spoilern, denn in diesem Buch passiert wirklich wahnsinnig viel. The Scorpion and the Night Blossom ist definitiv kein Buch mit einem einzigen, geradlinigen Handlungsstrang, dem man einfach nebenbei folgen kann. Es gibt die Prüfungen, Àn'y¿ngs Familie und Vergangenheit, die verschiedenen Reiche, politische Konflikte, Geheimnisse einzelner Figuren, Freundschaften und natürlich auch die romantischen Beziehungen.Und genau hier hat mich das Buch irgendwann ein kleines bisschen verloren. Ich mochte die einzelnen Handlungsstränge eigentlich alle, aber gerade zum Ende hin kommt wirklich sehr viel zusammen. Es folgen immer neue Informationen, Enthüllungen und dramatische Entwicklungen, sodass ich irgendwann das Gefühl hatte, gar nicht mehr jedem einzelnen Punkt die Aufmerksamkeit schenken zu können, die er eigentlich verdient hätte. Man muss wirklich am Ball bleiben und der Handlung konzentriert folgen.Das kann unglaublich viel Spaß machen - gerade wenn man komplexe Fantasywelten und viele miteinander verbundene Geheimnisse liebt. Ich kann aber genauso verstehen, wenn es für die ein oder andere Leserin irgendwann einfach ein bisschen zu viel wird. Für mich persönlich hätte die Geschichte an einigen Stellen ruhig etwas weniger gleichzeitig erzählen dürfen, damit einzelne Entwicklungen noch mehr Raum bekommen.Fazit:The Scorpion and the Night Blossom von Amélie Wen Zhao hat mir insgesamt trotzdem sehr, sehr gut gefallen. Besonders Àn'y¿ng, Yù'chén und die Tiefe der Figuren haben dafür gesorgt, dass ich emotional wirklich an der Geschichte hing. Gleichzeitig ist es ein Buch, auf das man sich einlassen muss: Der Schreibstil ist wunderschön, sehr bildhaft und atmosphärisch, aber eben auch unglaublich ausschweifend, und die vielen verschiedenen Handlungsstränge verlangen gerade zum Ende hin einiges an Aufmerksamkeit.Ich bin sehr gespannt darauf, wie sich die Geschichte im zweiten Band weiterentwickelt und natürlich auch darauf, wie dieses Liebesdreieck am Ende ausgehen wird. Gleichzeitig glaube ich, dass ich für den zweiten Teil auch wieder richtig Lust auf diese Welt haben muss, weil die Geschichte eben doch anspruchsvoller zu lesen ist.Trotzdem muss ich es noch einmal sagen: Auch wenn ich das Buch manchmal anstrengend fand, ist es wirklich wunderschön geschrieben und hat mir sehr viel Spaß gemacht.¿¿¿¿- Für Àn'y¿ng, Yù'chén und diese wunderschöne, komplexe Geschichte.