Wirklich nur ein Blick in die Zukunft
Annie ist eine Androidin - zunächst im Kuschelhasen-Modus, später im Autodidakt-Modus. Sie lernt, entwickelt eigene Vorstellungen, kann Gefühle und Empfindungen wahrnehmen und wird im Laufe der Geschichte immer menschlicher. Doug hingegen hat zunehmend Probleme mit dieser Entwicklung. Er begegnet Annie vor allem als Besitzer, der bestimmt, was sie tun, wie sie aussehen und wie sie sich verhalten soll.Der Schreibstil ist einfach und gleichzeitig fesselnd. Durch die Konzentration auf Annie und Doug in ihrem Apartment entsteht beinahe eine Art Kammerspiel, was der Geschichte einen zunehmend beklemmenden und aufreibenden Charakter verleiht.Denn vieles von Dougs Verhalten wirkt erschreckend wenig futuristisch. Annie putzt nicht gut genug, soll abnehmen, wird kontrolliert und für vermeintliches Fehlverhalten bestraft. Während Doug mir fremd blieb und meine Abneigung gegen ihn stetig wuchs, empfand ich immer mehr Mitgefühl für Annie, die sich zunehmend gegen ihre Abhängigkeit auflehnt und nach Selbstbestimmung strebt. Ausgerechnet die Androidin fühlte sich also für mich immer menschlicher an - während Doug mir als Mensch komplett fern blieb.Beim Lesen hatte ich durchgängig das Gefühl, gar keine allzu weit entfernte Zukunft zu betrachten. Die Dynamik zwischen Annie und Doug erinnerte mich vielmehr an toxische Beziehungen, wie sie auch heute existieren können: an Kontrolle, Abhängigkeit, Bestrafung und die Vorstellung, dass der andere den eigenen Erwartungen zu entsprechen hat."Annie Robot" ist für mich deshalb weniger ein Science-Fiction-Roman als eine feministische Gesellschaftskritik in futuristischem Setting, geht es doch weniger um die Technik Künstlicher Intelligenz als um Fragen nach Freiheit, Grenzen, Besitz und dem Recht über sich selbst zu bestimmen. Eine klare Leseempfehlung von mir!