Viele Leserinnen und Leser werden noch den Titel von Philipp Bloms Buch Der taumelnde Kontinent 1900-1914 im Gedächtnis haben, in dem er die Umbrüche in Europa zwischen 1900 und 1914 beleuchtet.
Nun beschäftigt er sich in seinem neuen Buch mit den Jahren 2001 bis 2014 und richtet seinen Blick auf die ganze Welt.
Als das 21. Jahrhundert von vielen Menschen mit Jubel begrüßt wird, ahnt noch niemand, wie die Konflikte rund um den Erdball zunehmen und das Vertrauen in die Demokratie abnehmen werden. Noch weiß keiner, dass neben den beiden bekannten Größen USA und Russland sich beinahe unbemerkt China anschickt, ein dritter Player um die Macht zu werden. Allerdings rasselt man dort nicht mit dem sprichwörtlichen Säbel, sondern fordert Europa und die USA über den Umweg staatlich subventioniertes Waren heraus.
So legt Philipp Blom dar, wie die USA mit ihren Kriegen im Irak (2003-2011) ihre Reputation verspielt haben und wenig später, Russlands Annexion der Krim (2014), die wie man nun weiß, nur ein Probelauf für die Invasion auf die Ukraine (2022) war, nicht ernst genommen zu haben.
Er lenkt unseren Blick auf die wirtschaftlichen Probleme, die durch raffgierige Spekulanten zum Zusammenbruch zahlreichen Banken vor allem in den USA (z.B. Lehman Brothers, 2008) dazu führten, dass Zehntausende Menschen ihre Häuser verloren haben, weil sie ihre Hypothekarkredite nicht mehr bedienen konnten. Über verdrängen machtgierige Präsidenten (Berlusconi, Trump), die nichts anderes im Sinn haben, als sich und ihren Familien die Taschen und Bankkonten zu füllen, den Sozialstaat und das Gemeinwohl. Die Kluft zwischen arm und reich wird breiter, der lange Zeit als sicher geltende Mittelstand schwindet zusehends. Zudem beginnt der Kampf um die digitale Vorherrschaft. Große US-Konzerne reißen die Macht an sich.
Einige Mahner sehen durchaus Parallelen mit den Jahren 1900 - 1914. Philipp Blom arbeitet in seinem Buch Ähnlichkeiten und Unterschiede heraus. Dabei bringt er zahlreiche Beispiele und erläutert seine Thesen in gewohnt ansprechender Weise.
Es gilt: Wer die Krisen der Gegenwart verstehen will, muss ihre Geschichte kennen: Philipp Blom ist ihr souveräner Chronist. Dennoch muss uns klar sein: Nichts wird wieder, wie es jemals war!
Fazit:
Gerne gebe ich dieser Analyse 5 Sterne und eine Leseempfehlung.