"Ich war Mama, und das reichte. Es war mein Traumjob. Endlich hatte ich meine eigene Familie. Ich war der glücklichste Mensch der Welt." (S. 425)Charlottes Leben ist ein Scherbenhaufen. Nach dem Trennungsjahr von ihrem Ehemann Marc verkündet dieser nun, dass es an der Zeit wäre, dass sich Charlotte eine eigene Bleibe suchen und auch ihren Laden für Kinder-Secondhandkleidung finanziell allein stemmen müsse. Als würde das nicht schon reichen, sind ihre Teenie-Töchter Leni und Lilly gerade für längere Zeit im Ausland und lassen kaum von sich hören. Dabei bestand Charlottes ganzer Lebensinhalt immer nur aus ihrer Familie. Doch nun steht Charlotte vor der Herausforderung, ihr Leben in den Griff zu kriegen und herauszufinden, was sie wirklich will.Die Geschichte wird aus zwei Perspektiven erzählt. Einmal aus Charlottes und einmal aus Sicht ihrer 16-jährigen Tochter Leni, die ein Auslandsjahr in Oxford verbringt. Charlotte lässt ihr bisheriges bequemes und finanziell abgesichertes Leben hinter sich. Das Trennungsjahr hat sie zum Party machen genutzt und nicht damit, sich Gedanken über ihre Zukunft und ihre Finanzen zu machen. Das konnte ich überhaupt nicht nachvollziehen und hat Charlotte für mich nicht unbedingt sympathisch gemacht. Insgesamt ist mir auch zu viel Alkohol geflossen. Weil Charlotte eben nicht (mehr) weiß, was sie will, trifft sie zum Teil überstürzte Entscheidungen. So landet sie in einer WG mit zwei Männern in einem Tiny House an einem See. Die Atmosphäre rund um den See ist wirklich schön beschrieben und hat mir Lust auf ein eigenes Tiny House gemacht. Auch ihre Mitbewohner fand ich sympathisch, wenn auch teilweise klischeebehaftet. Genau so überstürzt übernimmt Charlotte ihre Lieblingskneipe "Endstation", weil der bisherige Besitzer aus gesundheitlichen Gründen kürzer treten muss. Dabei hasst Charlotte das Gastrogewerbe. Dennoch stürzt sie sich in diese Aufgabe. Dabei lernt sie Mo näher kennen, der nebenan einen Kiosk betreibt. Mo mochte ich total gern und auch das Necken und spätere Knistern zwischen den beiden hat die Autorin authentisch rübergebracht.Zwischendrin erzählt Leni von ihren Erfahrungen in Oxford, von ihrer Gastfamilie, ihrer "besten" Freundin Stella, die ebenfalls dort ist, und natürlich einem Jungenschwarm, in den alle verliebt sind. Die Sichtweise war ganz nett, hätte ich aber nicht gebraucht."Dieser Sommer gehört mir" ist ein Sommerroman, der sich gut für zwischendurch eignet, um mal richtig abzuschalten. Es werden aber auch wichtige und ernste Themen wie Neuanfang, Selbstfindung, Freundschaft und Familie auf eine leichte Art behandelt. An einigen Stellen ist die Story vorhersehbar, was dem Lesevergnügen jedoch nicht schadet.