Gateway, der Namensgeber dieser zwischen 1976 und 1984 geschriebenen und mit edlen Preisen der SF überhäuften Trilogie, ist ein Asteroid in Erdumlaufbahn, auf dem die Menschen in näherer Zukunft Raumschiffe einer seit Ewigkeiten völlig von der Bildfläche verschwundenen Spezies, der Hitschi, vorfinden. Wie sich herausstellt, sind die Dinger voll funktionstüchtig und jedes hat eine fest eingebaute, aber nicht änderbare Ziel- wie Rückkehrprogrammierung. Jeder Flug also ein lebensgefährlicher Aufbruch ins Unbekannte. Mutige Menschen, die Prospektoren, machen sich auf den Weg. Die meisten kommen von ihrer Expedition irgendwann ohne jeden Erfolg zurück, einige mit gefundenen Artefakten, die ihnen im Regelfall zu großem Reichtum verhelfen, manche gehen einfach verloren. Die politischen Verhältnisse auf der Erde sind derweil wie gehabt ziemlich instabil, keiner traut keinem, alle möchten unbedingt mehr über die Hitschi erfahren, und Überbevölkerung bei sich immer mehr verknappenden Nahrungsressourcen ist das ungelöste Kernproblem.Bei dieser düsteren Ausgangssituation betritt dann die Hauptperson des Zyklus, ein Mann namens Robinette Broadhead, die Bühne. Aus ärmsten und zerrütteten Verhältnissen stammend, erhält er plötzlich die Chance, in der Gateway-Lotterie mitzumischen und mit einer der dortigen Fähren Richtung Nirgendwo aufzubrechen. Das macht er dann natürlich auch mit dem Ergebnis, dass beim nachfolgenden desaströsen Kontakt mit einem schwarzen Loch er als einziges Besatzungsmitglied zurückkehrt und als schwerreicher, aber innerlich gebrochener Mann sein weiteres Leben fristet. Dies vor allem deshalb, weil er Klara, die Liebe seines Lebens, dort zurück lassen musste, worüber er auch nie hinweg kommen wird.Soweit der Einstieg in den ersten Band des Zyklus. Was soll man sagen? Die Trilogie ist typische SF-Kost aus der Blütezeit des Genres mit allem drin, was man von so einem Buch letztlich erwartet: Fremde unheimliche Spezies aus den unerforschten Tiefen der Galaxis; eine instabile, auseinanderbrechende Welt im Aufbruch zu den Sternen, in der es nur noch Reich und Arm gibt, wo jeder völlig emotionslos und korrupt sein Glück machen will; ausschweifende, visionäre Zukunftsszenarien, unterlegt mit mehr als nur einem guten Schuss Computertechnologie sowie episch breit getretener theoretischer Lehrbuchphysik für lesend nacharbeitende Durchschnittsgehirne in ihrem steten Bemühen, den ganzen Ausführungen irgendwie zu folgen.Und der Mensch selbst? Typisch für die SF-Romane dieser Zeit letztlich völlig austauschbares, eher unwichtiges Beiwerk des großartigen Weltenszenarios ganz nach dem Gusto des Autors; die Mitspieler fast ausnahmslos unangenehme bis abstoßende, manchmal langweilige, immer irgendwie gesichtslose Charaktere in ihrer Gier nach Macht und Reichtum. Und am schlimmsten: rund um die Uhr alle Akteure mit dem Ausleben ihres Geschlechtstriebs befasst, als ob Weltraumweiten und Sex untrennbar verbundene Komponenten sind (werd ich nie kapieren, aber das war ja schon bei Barbarella in den 60ern so). Völlig konträr dazu dann zumindest auf Menschenseite ein unablässiges Gefasel von den ganz großen Gefühlen, was einem irgendwann mangels Glaubwürdigkeit nur noch auf den Zeiger geht. Auch und gerade Robin, der Held der Story, nebst seiner entzückenden Gattin machen da keinerlei Ausnahme. Wie angenehm, dass sich hier in der literarischen SF seitdem doch einiges positiv weiterentwickelt hat.Tja, so ein Stück Literatur ist der vorliegende Zyklus. Natürlich ist in der Gesamtwertung hier eine groß angelegte und streckenweise auch durchaus spannende Zukunftsgeschichte mit ein paar guten Ideen am Start, die, bereits Jahrzehnte alt, erstaunlich weitsichtig und visionär geschrieben ist und viele tatsächliche Veränderungen und Entwicklungen der letzten Dekaden treffsicher vorwegnimmt, das Ganze begleitet vom zweifelsfrei hohen Sachverstand des Autors. So fair muss man sein. Aber aus meiner Sicht reicht das Ding trotz der ganzen Prämierungen in keiner Weise an die Genreklassiker anderer Autoren heran. Was fehlt, ist einfach ein echter Spannungsbogen und eine wirklich handfeste Story mit interessanten Figuren. Zuletzt war ich nur noch froh, durch zu sein; kein gutes Zeichen. Vieles einfach zu konstruiert oder zu ausgewalzt, insbesondere die zuletzt nur noch ermüdende "Beziehung" Robins zu seinem evolutionären Computerprogramm "Albert Einstein". Für Genrefreunde lesenswert, aber in keiner Weise überragend. Knappe drei Sterne.