An dem Namen Jo Nesbø kommt man ja als Krimileser nicht vorbei. Ich hatte ihn schon lange auf dem Radar und wollte immer mal ein Buch von ihm lesen. Als nun Fledermausmann, der 1. Fall von Harry Hole, als Hörbuch über NetGalley verfügbar war, habe ich sofort zugegriffen. Leider muss ich sagen, den Hype um Jo Nesbø kann ich nicht so ganz teilen. Mein Lieblingsautor wird er nicht werden.
In diesem Kriminalroman reist der norwegische Ermittler Harry Hole nach Sydney, um den Mord an einer Landsfrau aufzuklären. Parallel dazu erschüttert eine Reihe von Übergriffen auf junge blonde Frauen den Osten Australiens, und Harry arbeitet mit dem australischen Polizisten Andrew zusammen, um einen möglichen Serienmörder zu fassen.
Harry als Figur fand ich grundsätzlich interessant: ein gebrochener Ermittler mit Alkoholproblem, dunkler Vergangenheit und deutlich depressiver Schlagseite, der alles andere als ein strahlender Held ist. Seine innere Zerrissenheit, frühere Beziehungen und Erinnerungen bekommen viel Raum, was für einen Kriminalroman an sich in Ordnung wäre wenn der Krimianteil dagegenhalten könnte.
Genau hier hatte ich große Probleme. Die erste Hälfte des Buches wirkt für mich fast fallfrei: lange Kneipenszenen, Bekanntschaften, Anekdoten aus Harrys Leben und ausführliche Exkurse zu Australien und den Aborigines, während der eigentliche Mordfall erstaunlich blass bleibt. Ich wusste über weite Strecken weder wirklich etwas über das Opfer noch hatte ich das Gefühl, einer strukturierten Ermittlung zu folgen. Erst in der zweiten Hälfte nimmt die Handlung etwas Fahrt auf, es kommen weitere Taten hinzu und die Verbindungen werden klarer. Trotzdem bleibt bei mir der Eindruck, dass der Roman sich viel mehr für Harrys Biografie und Australien interessiert als für einen spannenden Krimiplot.
Was die Ermittlungsarbeit angeht, war ich oft eher genervt als gefesselt. Mehrere Entscheidungen wirkten auf mich naiv und unprofessionell, und der Täter steht deutlich vor dem Ende fest, sodass die Spannung spürbar abfällt. Im Rückblick ergibt zwar vieles thematisch Sinn gerade die Verknüpfung von Kolonialgeschichte, Rassismus und Gewalt gegen Frauen , aber der Weg dahin fühlte sich für mich insgesamt unglaubwürdig und handwerklich schwach erzählt an.
Positiv bleibt die dichte Atmosphäre. Die Schilderungen von Sydney, der roten Erde und der Geschichte der Aborigines sind eindrücklich und geben dem Buch ein eigenes Profil. Für meinen Geschmack dominiert dieser Roman und Themenanteil jedoch so stark, dass der Krimi zur Nebensache wird. Die Hörbuchfassung mit Uve Teschner war für mich solide, aber nicht herausragend.