Ein spannender und verworrener Fall, grandios entwirrt, aber mit Längen
Der Tote mit dem Silberzeichenist ein Krimi aus der Feder von Robert Galbraith, dem Pseudonym von J. K. Rowling, gesprochen von Dietmar Wunder, ©2025 J.K. Rowling, erschienen im Random House Audio. Es handelt sich um den 8. und bislang letzten Teil aus der Cormoran Strike Reihe. Die Detektei von Cormoran Strike und Robin Ellacott erhält von Decima Mullins den Auftrag zu beweisen, dass es sich bei dem Toten, der im Tresorraum eines Silberhändlers gefunden wurde, um ihren verschwundenen Freund handelt. Der Fall entwickelt sich zu einer komplizierten Angelegenheit, ergänzt durch Drohungen sowie persönliche Verleumdungskampagnen, die das Detektiv-Duo von weiteren Ermittlungen abhalten soll. Und natürlich knistert es wie in den vorangegangenen Bänden zwischen Cormoran und Robin. Mit 1248 Seiten bzw. 32 Std. Hörbuch ein richtig "dicker Schinken". Ich habe bisher, mit Ausnahme des 7. Bandes, alle Bände der Reihe gelesen, die mir ausnehmend gut gefallen haben, wobei "das tiefschwarze Herz" mich am wenigsten begeistert hat. Wie bei den Vorgängern ist man rasch im Geschehen, was ich sehr schätze. Die Hauptfiguren sind mir mittlerweile recht vertraut, so als wären sie liebe Freunde mit Ecken und Kanten. Ein wenig langweilig finde ich die ewig unerfüllte Liebesgeschichte zwischen Cormoran und Robin. Die Story wird sehr überzeugend gelesen von Dietmar Wunder, der mit einer grandiosen Stimmmodulation für jede der beteiligten Personen aufwartet. Ich mag wie die Ermittlungsarbeit und die Dynamik im Detektivteam beschrieben ist und wie sich die stark versponnenen Fäden langsam entwirren. Was mein Hörvergnügen getrübt hat, waren die vielen Namen und unübersichtlichen Verbindungen zwischen den handelnden Personen. Ich habe dabei den Überblick verloren. Entschädigt wird man durch die sehr lebendige Darstellung der Charaktere, allesamt recht besonders. Es hätte mir besser gefallen, wenn die Autorin einige Verknüpfungen weggelassen und somit für weniger Längen und Seiten im Buch gesorgt hätte. Der Plot-Twist am Ende wirkt sehr stimmig, aber völlig unerwartet. Mir gefällt auch die Einbeziehung der privaten Lebensräume. Diese tragen sehr zur atmosphärischen Entwicklung bei. Die komplizierte Liebes- bzw. Freundschaftsbeziehung zwischen Robin und Cormoran zieht sich bisher durch alle Bände, wird aber erstmal sehr deutlich und greifbar. Einerseits versteht man als Leser, wieso diese Beziehung derart kompliziert ist und sich hinzieht, andererseits wünscht man sich endlich einmal, dass Realitäten geschaffen werden. Das könnte neue Spielräume eröffnen. Der Cliffhanger am Schluss hat mich maximal frustriert. Bisher bin ich es von der Autorin nicht gewohnt so in der Luft hängen gelassen zu werden. Fazit: Nicht das beste Buch aus der Reihe, aber dennoch lesenswert. Wer verzwickte und vielschichtige Geschichten mag, wird auf seine Kosten kommen. Ich warte höchst gespannt auf die Fortsetzung.