In diesem Roman kämpft Samara mit einer inneren Dunkelheit, die sie von Bali über Berlin bis in die Schweizer Alpen begleitet. Sie probiert verschiedene Neuanfänge aus, doch erst in St. Moritz, zwischen Luxus, Feriengästen und flüchtigen Begegnungen, scheint sie einen Ort zu finden, an dem sie ihre Einsamkeit zumindest für Momente vergessen kann.
Samara als Protagonistin hat mich mit ihrer Mischung aus Schwere, Trotz und Spontanität beeindruckt. Sie ist keine glatte, ständig funktionierende Figur, sondern jemand, der mit Ängsten und einem Gefühl von innerer Leere ringt. Aus einem Schutzmechanismus sich Fremden mit falschem Namen vorzustellen, um in Ruhe gelassen zu werden wird nach und nach ein gefährliches Spiel mit Identitäten. In St. Moritz gibt sie sich schließlich als Fotografin aus und rutscht tiefer in eine Rolle, die größer wird, als sie selbst. Fritz, den sie zuerst in Berlin kennenlernt und später wiedertrifft, bringt zusätzlich Komplexität hinein: Er hat eine Vergangenheit, Verpflichtungen und Grenzen, die diese Liebesgeschichte glaubwürdiger und erwachsener wirken lassen als viele klassische Romance-Plots.
Plotseitig hat mich 1999 Meter über dem Meer sehr überzeugt. Der Weg von der gescheiterten Selbstfindung in der Ferne hin zu einem riskanten Leben inmitten der Superreichen bleibt für mich durchgehend spannend. Die Hochstapelei rund um Samaras Fotografien öffnet Türen, die ihr sonst verschlossen geblieben wären, und gleichzeitig schwebt immer die Frage darüber, wie lange dieses Kartenhaus halten kann und was passiert, wenn die Wahrheit ans Licht kommt. Ohne zu viel zu verraten: Dass Samara sich am Ende den Konsequenzen stellen muss, hat sich für mich stimmig angefühlt und gibt der Geschichte eine runde, hoffnungsvolle Wendung.
Sehr stark fand ich auch die Themen, die immer wieder durchscheinen: Einsamkeit, mentale Gesundheit, der Versuch, vor der eigenen Dunkelheit wegzulaufen, und der Kontrast zwischen normalem Leben und einer Welt, in der Geld und Status alles zu regeln scheinen. Das Buch benennt Depression nicht offen, aber Samaras Sprache, ihre Bilder von Dunkelheit und ihr ständiges Suchen machen dieses Thema für mich sehr greifbar.
Schwierig war für mich allerdings der Schreibstil. Viele Sätze sind extrem kurz und abgehackt, Dialoge wirken oft wie protokollierte Chats. Dieses ständige Ich:, Fritzi:., Ich: . Fritzi:.. fand ich sehr anstrengend. Dazu kommt, dass Gedanken und gesprochene Sätze häufig direkt nacheinander fast identisch wiederholt werden, z.B.: So etwas Romantisches hatte ich noch nicht gehört. Ich: So etwas Romantisches habe ich noch nie gehört. Ich verstehe, was die Autorin damit ausdrücken will. Samara sagt genau das, was sie denkt, ihr Mund ist schneller als der Kopf. Aber das zieht sich derart durch das (Hör)buch, dass es auf Dauer für mich einfach anstrengend war.
Unterm Strich bleibt für mich ein sehr starker, emotionaler Roman mit Tiefgang, dem ich wegen des für mich schwierigen Stils trotzdem nur vier Sterne gebe eine klare Empfehlung für alle, die Lust auf eine intensive Geschichte haben und mit einem experimentelleren Erzählrhythmus gut zurechtkommen.