Martin hat vor fünf Jahren alles verloren. Seine Frau und seinen Sohn und seinen Lebenswillen. Er arbeitet bei der Polizei als verdeckter Ermittler und riskiert wirklich alles vielleicht in der Hoffnung, seiner Familie in den Tod zu folgen.
Dann wird er überraschenderweise von einer Fremden kontaktiert, die ihm mitteilt, eine weitere Mutter und ihr Kind sind spurlos verschwunden an Bord desselben Kreuzfahrtschiffes wie seine Familie damals. Martin kennt kein Halten mehr. Er muss dorthin und versuchen, diese Familie zu retten, wenn er schon seine eigene nicht retten konnte
Kreuzfahrtschiffe dieses Mal also. Warum nicht? So viele Krimis und Thriller, die in diesem Setting spielen, sind mir nicht bekannt. Also dachte ich, ich versuche es einmal. Und ehrlich gesagt, dieser Roman gefiel mir besser als Mimik.
Fitzek schreibt rasant und actionreich. Was er seinem Protag zumutet ist beinahe übermenschlich. Ein gebrochener Mann, der es aber nicht fertigbringt, sich selbst zu töten, sich aber doch nach dem Tod sehnt. Es könnte ein wirklich sehr interessanter Charakter sein. Allerdings bleibt Martin recht blass den Roman über. Er ist angetrieben davon, das Rätsel zu lösen und weitere Suizide zu verhindern, und daran ändert sich das ganze Buch über nichts.
Auch die anderen Charaktere leiden darunter, nicht wachsen zu dürfen. Was sehr schade ist, denn so könnte der Roman deutlich an Qualität gewinnen.
Das Setting des gigantischen Schiffes ist recht gut geschildert und erklärt, wenn ich mir für einige Details auch die Hilfe einer Freundin suchte, die schon öfter an Kreuzfahrten teilgenommen hat. Einige Dimensionen konnte ich mir einfach nicht vorstellen, das gebe ich zu. Ich habe noch nie einen solchen Ozeanriesen in Natura gesehen, daher vergebe man mir mein Unvermögen.
Der Fall ist spannend und scheint stellenweise verworren. Dabei ist die Lösung des ganzen so nahe. Okay, mit dem Mörder hatte Fitzek mich. Mit dieser Person hatte ich wirklich nicht gerechnet. Das Ende ist überraschend positiv gestaltet und hätte vielleicht noch ausgebaut werden können in meinen Augen. Das allerdings ist eine persönliche Präferenz und hat nichts mit der Qualität des Romans zu tun.
Was mich dazu bringt, was ich nach der Lektüre denke. Fitzek scheint etwas wie FastFood zu sein. Seine Bücher sind schnell durchgelesen und haben kaum Tiefe. Man liest sie durch, zuckt mit den Schultern und geht ans nächste. Das ist nicht, was ich in einem Roman suche, fürchte ich. Ich wollte ein oder zwei Bücher von ihm lesen nach meiner Erfahrung mit REM, das habe ich hiermit getan und werde wohl keine weiteren mehr brauchen für meine Meinung.
Alles in allem ein rasanter Thriller mit einigen überraschenden Wendungen. Leichte Kost, die schnell verschlungen ist.