"The Boyfriend" habe ich schon öfter auf US-Bookstagram gesehen und wollte das Buch schon länger lesen. Dementsprechend groß war meine Freude, als ich gesehen habe, dass das Buch jetzt auf deutsch erscheint. Das Cover allein ist Grund genug, das Buch zu kaufen, aber auch die "umgedrehte Rollenverteilung" mit weiblichem Bodyguard hat mich total fasziniert.
Hannah und Jack waren mir sofort sympathisch und es fiel mir sehr leicht, mit ihnen mitzufiebern. Was mich an der Geschichte besonders neugierig gemacht hat, war Hannahs Rolle. Normalerweise kennt man den starken männlichen Bodyguard, der seine Schutzbefohlene beschützt - hier werden die Rollen umgedreht. Hannah ist diejenige, die ausgebildet ist, Gefahren einzuschätzen und Jack zu beschützen. Das hat mir gut gefallen weil Hannah dadurch nicht in die typische Rolle der hilflosen weiblichen Hauptfigur gedrängt wird. Gleichzeitig konnte mich die Umsetzung nicht immer vollständig überzeugen, denn gerade Hannah wirkte für mich manchmal erstaunlich wenig wie jemand, der diesen Beruf schon länger ausübt. Auch die eigentliche Bedrohung für Jack blieb mir etwas zu blass und wurde für meinen Geschmack zu wenig genutzt.
Dafür habe ich die Szenen auf der Ranch umso mehr geliebt. Sobald Hannah dort ankommt und in Jacks Familienleben hineingezogen wird, hat die Geschichte für mich richtig Fahrt aufgenommen. Die Familie ist eng miteinander verbunden, gleichzeitig liegen alte Konflikte und ein schwerer Verlust unter der Oberfläche. Hannah passt zunächst überhaupt nicht in diese Welt und genau daraus entstehen einige meiner liebsten Momente. Ich mochte es sehr, wie sie langsam auftaut, sich auf die Familie einlässt und dabei auch Jack von einer ganz anderen Seite kennenlernt. Für mich waren es vor allem diese ruhigeren Momente, die der Geschichte Herz gegeben haben.
Auch mit Hannah selbst bin ich im Laufe der Geschichte immer wärmer geworden. Hinter ihrer eher kontrollierten Art steckt eine Frau, die ständig mit ihren eigenen Unsicherheiten kämpft und sich selbst viel weniger zutraut, als sie eigentlich könnte. Jack wiederum ist trotz seines Schauspielerlebens nicht einfach nur der typische Hollywoodstar. Beide schleppen ihre eigenen Geschichten mit sich herum und müssen lernen, mit ihrer Vergangenheit umzugehen. Das hat mir gut gefallen, weil dadurch neben der eigentlichen Lovestory auch Themen wie Familie, Trauer, Selbstzweifel und Vergebung ihren Platz bekommen.
Die Liebesgeschichte selbst konnte mich allerdings nicht durchgehend abholen. Ich mochte Hannah und Jack zusammen und fand ihre Gespräche und kleinen Sticheleien unterhaltsam, aber das gewisse Etwas hat mir dann doch gefehlt. An einigen Stellen hätte ich mir gewünscht, dass ihre Gefühle füreinander stärker spürbar werden und ihre Beziehung etwas mehr Raum bekommt. Die Grundidee mit der vorgetäuschten Beziehung fand ich nämlich richtig unterhaltsam und gerade aus dieser Konstellation hätte man für meinen Geschmack noch einiges herausholen können.
Der Schreibstil wirkte auf mich anfangs etwas "gezwungen locker/lustig", aber gerade die humorvollen Szenen haben dafür gesorgt, dass ich immer weiterlesen wollte. Manche Entwicklungen waren für mich allerdings so überzogen, dass ich nicht mehr darüber lachen konnte. Besonders bei einzelnen Nebenfiguren wurde mir der Humor irgendwann etwas zu albern. Auch das Ende war mir stellenweise ein bisschen zu viel des Guten.
Trotzdem hatte The Bodyguard für mich einen großen Wohlfühlfaktor. Die Ranch, die Familie, das Fake-Dating und diese leicht überdrehte RomCom-Atmosphäre haben mich immer wieder an die Liebeskomödien erinnert, die man früher einfach einschaltet, um für ein paar Stunden abzuschalten. Genau dieses Gefühl hatte ich auch beim Lesen. Nicht alles hat für mich funktioniert und gerade bei der Romance hätte ich mir etwas mehr Tiefe und Spannung gewünscht, aber ich hatte trotzdem eine schöne Zeit mit Hannah und Jack.
Insgesamt ist The Bodyguard für mich deshalb eine unterhaltsame, leichte Romance mit einigen wirklich schönen Momenten, aber eben auch ein paar Schwächen in der Umsetzung.