Die Welt nach dem Ende der Welt, Amerika nach der Katastrophe, verbrannt, verödet, leer, zerstört, kalt, eingehüllt in Asche. Ein Vater und sein Sohn sind auf einsamen Straßen unterwegs in den Süden, an die Küste, er hat es der Mutter des Jungen versprochen, ihn zu beschützen, ihn zu retten, ihn zu halten bis zum Ende. Doch wird er sein Versprechen halten können?
"Die Straße" ist ein dystopischer Roman, der in einer ganz besonderen Form erzählt wird. Cormac McCarthy erzählt von der Wanderung der Beiden, er erzählt ausschließlich aus der Sicht des Vaters und verzichtet dabei komplett auf wörtliche Rede. Natürlich kommen Dialoge vor, aber es fühlt sich an, als wären diese Erinnerungen im Kopf des Vaters. Der komplette Roman ist fortlaufend, es gibt keine Kapitel, der Text wird lediglich in Absätze unterteilt zwischen denen manchmal nur Minuten liegen, manchmal Tage. Die Geschichte läuft vor sich hin, so wie Vater und Sohn laufen. Vater und Sohn, die bis zuletzt namenlos bleiben.
McCarthy erzählt mit wenigen Worten vom Überlebenskampf der wenigen Überlebenden der Katastrophe, welcher Art diese war lässt er im Dunkeln. Zwar gibt es ein paar Rückblicke, Erinnerungen des Vaters an die Zeit davor und auch an die Mutter des Jungen, aber erklärt wird dabei nichts. Einzig aus den Folgen, denen Vater und Sohn auf ihrem Weg begegnen, kann man seine eigenen Schlussfolgerungen ziehen. Klar ist nur, die Katastrophe war verheerend und tödlich. Das es einige wenige Überlebende geben muss merkt man natürlich und das diese nicht unbedingt gut sind wird ebenfalls schnell klar. Wie oft in Dystopien zeichnet auch McCarthy ein eher düsteres Bild von der verbleibenden Gesellschaft, auch bei ihm bringt der Zerfall das Schlimmste im Menschen zum Vorschein. Was dieses Schlimmste ist wird zwar nur wenig, dafür aber sehr drastisch angedeutet, es begegnet Vater und Sohn während ihrer Wanderung und es zerreißt einem als Leser das Herz wenn man sich vorstellt welches Grauen dieser kleine Junge ansehen muss. Um so mehr erstaunt es, dass eben dieser kleine Junge den Glauben an das Gute nicht verliert, dass er trotz der Resignation seines Vaters, trotz der allgegenwärtigen Todesangst, trotz Hunger und Kälte eine Menschlichkeit ausstrahlt, wie er sie eigentlich in seinem kurzen Leben bisher gar nicht kennengelernt hat. So ein bisschen ist dieser Junge das letzte Fünkchen Hoffnung darauf, dass die Menschheit vielleicht doch noch eine Chance hat.
McCarthy erzählt kühl, reduziert, fast distanziert, aber trotzdem mit einer unglaublichen Kraft, besonders im Bezug auf die bedingungslose Liebe des Vaters zu seinem Kind. Sein Stil ist sicher nichts, was jedem Leser gleichermaßen gefällt, im Gegenteil, ich kann mir gut vorstellen, das er einige Leser sogar eher abstößt. Ich persönlich finde aber, dass es die einzig passende Art ist diese Geschichte zu erzählen. Natürlich hätte man die Grausamkeiten dieser Welt noch detaillierter schildern können und natürlich hätte man auch die Zerstörung und ihre Folgen noch bildhafter in den Kopf des Lesers projizieren können, aber das braucht es für mich gar nicht. Da gibt es andere Bücher. Hier steht der verzweifelte Kampf eines Vaters im Vordergrund, seinem Sohn ein Leben, ein Überleben zu ermöglichen und dieser Kampf findet in einer rohen, toten Welt statt, mehr braucht es also nicht.
Für mich ist das Buch ein dystopischer Klassiker, den man unbedingt gelesen haben sollte.